Zwischen Kontinuität und Transformation: Entscheidungen für SAG-Kunden
Vincent Schoone /
08.01.26 /
Managed Services
Die Übernahme der Software AG durch den US-Finanzinvestor Silver Lake im Jahr 2023 hat viele vor Herausforderungen gestellt. Mit dem Erwerb von über 93 % der Anteile und dem anschließenden Rückzug von der Börse begann eine Phase der Umstrukturierung, die sich direkt auf die Produktpalette und die Kundenbeziehungen auswirkt. Besonders spürbar wurde dies durch den Verkauf zentraler Geschäftsbereiche wie webMethods und StreamSets an IBM sowie weiterer Produkte wie Alfabet und Cumulocity. Für viele Unternehmen bedeutet das, dass sie sich plötzlich mit neuen Ansprechpartner:innen für Support und Lizenzfragen auseinandersetzen müssen. Offene Support-Vorfälle wurden auf IBM umgestellt, was zu Änderungen im Supportprozess führte und Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Betreuung der eingesetzten Lösungen schürt.
Ein zentrales Thema für viele Kunden sind jedoch vor allem die gestiegenen Lizenzkosten. Zahlreiche Unternehmen berichten von spürbaren Preiserhöhungen bei Lizenzen und Wartungsverträgen. Das erschwert nicht nur die langfristige Planung, sondern zwingt viele dazu, Budgets kurzfristig anzupassen. Hinzu kommt, dass Preissteigerungen oft mit Strategiewechseln einhergehen – etwa durch Produktverlagerungen zu neuen Eigentümern oder veränderte Service-Modelle. Die Unsicherheit wächst, ob und wie die Software AG ihre Produkte weiterhin unterstützt und wie sich die Lizenzpolitik in Zukunft entwickeln wird.
Doch auch Adabas und Natural, zwei zentrale Lösungen für Datenbankmanagement und Anwendungsentwicklung, sind von den strategischen Veränderungen betroffen – allerdings nicht durch einen Verkauf, sondern durch eine Neuordnung und Eigenständigkeit innerhalb der Holdingstruktur. Die Software AG investiert laut eigenen Angaben weiterhin in diese Produkte und verfolgt mehrjährige Wachstumspläne. Das Portfolio bleibt auf moderne Plattformen wie Linux, Cloud und IBM Z ausgerichtet, und die bestehenden Investitionen der Kunden sollen geschützt und zukunftssicher aufgestellt werden.
Während der Verbleib von Adabas und Natural innerhalb der Holding Kontinuität signalisiert, verschiebt sich der unternehmerische Schwerpunkt insgesamt hin zu stärker skalierbaren Betriebs- und Erlösmodellen. Cloud-native Architekturen, SaaS-Angebote und Integrationsszenarien gewinnen dadurch an Bedeutung, ohne die bestehenden Kernsysteme kurzfristig infrage zu stellen. Die Veräußerung wichtiger Plattformbereiche generiert zwar erhebliche Einnahmen, reduziert aber zugleich das organische Wachstumspotenzial im ursprünglichen Produktportfolio. Für Kunden bedeutet das, dass sie sich auf eine Phase der Transformation einstellen müssen, in der Investitionen in Modernisierung und Automatisierung eine zentrale Rolle spielen. Die Software AG hat mit dem Projekt „SAG 2050+“ signalisiert, dass die Produkte weiterhin ein wichtiger Teil des Unternehmens bleiben und mindestens bis 2050 unterstützt und weiterentwickelt werden sollen.
Für viele stellt sich die Frage, wie es mit den eingesetzten SAG-Produkten zukünftig weitergeht: Werden sie noch unterstützt, und wenn ja, wie lange? Wie entwickeln sich die Lizenzkosten, und lohnt sich der Betrieb der Produkte weiterhin? Ist eine Migration zu anderen Technologien sinnvoll, und wie aufwändig wäre ein solcher Wechsel? Besonders relevant ist auch der plattformübergreifende Aspekt: So wurde der Support für AIX eingestellt, was einen Wechsel auf andere Plattformen wie Linux nahelegt.
Die Erfahrungen aus Projekten zeigen, dass die gestiegenen Lizenzkosten und die veränderte Supportqualität die größten Herausforderungen für Bestandskunden sind. Der Wechsel in ein Subskriptionsmodell kann zum Erlöschen des Dauernutzungsrechts für Bestandslizenzen führen, und die Betreuung durch neue Supportteams bringt oft Unsicherheiten mit sich.
Was können Kunden der SAG jetzt tun? Es empfiehlt sich, die Laufzeiten und Kosten der Lizenzen genau zu prüfen, Alternativen zu evaluieren und intern sowie mit Dienstleistern zu besprechen, ob alle eingesetzten Produkte tatsächlich benötigt werden. Ein Wechsel zu anderen Technologien wie SAP oder Oracle kann eine Option sein, wobei auch hier die Lizenzkosten sorgfältig verglichen werden müssen. Die Eigenentwicklung eines Produkts bietet zwar Unabhängigkeit von externen Anbietern, ist aber mit hohem Risiko und erheblichem finanziellen Aufwand verbunden.
Die aktuelle Situation bietet jedoch auch Chancen: Die Prüfung der eigenen IT-Landschaft rückt in den Fokus und eröffnet Möglichkeiten zur Modernisierung, die sonst vielleicht nicht oder erst später angegangen worden wären. Wer sich jetzt aktiv mit den Veränderungen auseinandersetzt, Alternativen prüft und die richtigen Partner für Beratung und Umsetzung wählt, kann die Weichen für eine zukunftsfähige IT stellen und von neuen Technologien und Strategien profitieren.
